Brandoberinspektor (gehobener feuerwehrtechnischer Dienst) in Berlin: Erfahrungsbericht zum Auswahlverfahren
Das Bauingenieurstudium war ihm zu trocken, die Baustelle zu monoton: Heute absolviert der 26-jährige Sam die Ausbildung zum Brandoberinspektor bei der Berliner Feuerwehr. Wie hat der Norddeutsche den Sprung ins Führungsteam der größten Berufsfeuerwehr Deutschlands gemeistert?
Ich bin an der Ostseeküste in der Nähe von Rostock aufgewachsen. Mein Leben drehte sich neben der Schule fast ausschließlich um den Sport, genauer gesagt um Triathlon im Verein. Nach dem Abitur zog ich für das Studium des Bauingenieurwesens nach Hamburg. Doch je näher der Bachelor-Abschluss rückte und je mehr Praktika ich in sterilen Planungsbüros absolvierte, desto klarer wurde mir: Ich will später nicht mein Leben lang nur vor Excel-Tabellen und CAD-Zeichnungen sitzen. Ich wollte Verantwortung übernehmen, im Team arbeiten und einen Job machen, der Sinn stiftet und jeden Tag etwas Neues bereithält.
Auf der Suche nach einer echten Führungsaufgabe mit technischem Bezug stieß ich auf das Programm „112 Bachelor“ der Berliner Feuerwehr. Die Aussicht, direkt als Brandoberinspektor (gehobener feuerwehrtechnischer Dienst) einzusteigen und von Anfang an das Führen von Einheiten zu lernen, faszinierte mich. Mein technisches Studium erfüllte die Voraussetzungen perfekt. Ich reichte meine Unterlagen ein und kurz darauf begann das nervenaufreibende Auswahlverfahren der Berufsfeuerwehr Berlin.
Der Online-Einstellungstest
Der Einstieg in das Auswahlverfahren der Berufsfeuerwehr Berlin erfolgt für alle Laufbahnen digital. An einem Dienstagabend saß ich mit einer großen Tasse Kaffee vor dem Monitor. Da sich der Test für den gehobenen Dienst in den Grundzügen kaum vom mittleren Dienst unterscheidet, ging es auch hier extrem strukturiert zur Sache: Allgemeinwissen, Deutsch und Mathematik bildeten das Fundament.
Durch mein Studium fielen mir die komplexen Physikaufgaben und die Module zum logischen Denken zwar etwas leichter, aber das gnadenlose Zeitlimit setzte mich massiv unter Druck. Besonders die Übungen zur räumlichen Vorstellungskraft – bei denen man gefaltete Körper im Kopf zusammensetzen musste – erforderten absolute Fokussierung. Ohne die vierwöchige, intensive Vorbereitung mit speziellen Online-Testtrainern wäre ich hier trotz meines Bachelor-Abschlusses beim Auswahlverfahren der Berufsfeuerwehr Berlin gnadenlos baden gegangen.
Der Sporttest
Einige Wochen später kam das Ticket für die nächste Runde in Berlin. Da beim Auswahlverfahren der Berufsfeuerwehr Berlin auch die künftigen Führungskräfte absolut fit sein müssen, ging es am Vormittag ohne Schonfrist direkt zum Sporttest. Als Triathlet dachte ich, die Ausdauerkomponente im Sack zu haben. Der 3.000-Meter-Lauf auf der Bahn lief bei mir auch wie am Schnürchen, obwohl das Tempo in der Spitzengruppe der rund 20 Bewerber enorm hoch war.
Die eigentliche Herausforderung wartete in der Kraftakademie: Die Disziplinen an der Brustpresse und beim Latziehen forderten Muskelgruppen, die ich beim Laufen und Radfahren eher vernachlässigt hatte. Hier ging es um reine Kraftausdauer. Die Prüfer bewerteten jede einzelne Wiederholung extrem penibel – unsaubere Versuche wurden eiskalt nicht gezählt. Nach der letzten Station brannten meine Unterarme und mein Oberkörper war völlig übersäuert. Mein tägliches, gezieltes Zusatz-Krafttraining in den Wochen vor dem Test war meine Rettung.
Präsentationen und Rollenspiele
Nach einem schnellen Hemdenwechsel ging es am Nachmittag in den Prüfungssaal zum Vorstellungsgespräch. Für die Laufbahn „112 Bachelor“ hängen die Trauben hier besonders hoch, da die Prüfer genau sehen wollen, ob man das Zeug zum Führen einer Mannschaft hat. Für mich war das der anstrengendste Teil im Auswahlverfahren der Berufsfeuerwehr Berlin.
Neben den klassischen Fragen zu meinem Werdegang, meiner Motivation und dem Grund, warum ich als Nordlicht zur Berufsfeuerwehr in die Hauptstadt will, wurde es schnell interaktiv. Ich musste eine spontane Präsentation zu einem fachfremden Thema halten, um meine Rhetorik und Struktur unter Stress zu beweisen. Direkt im Anschluss folgte ein komplexes Rollenspiel: Simuliert wurde ein schwieriges Mitarbeitergespräch, bei dem ich als Vorgesetzter einen Konflikt im Team lösen musste. Hier halfen mir weder Physik noch Mathe – da zählten nur Empathie, Durchsetzungsvermögen und ein kühler Kopf.
Der finale Medizin-Check
Nachdem ich das Feedback erhalten hatte, dass ich das Assessment Center bestanden hatte, stand im Frühjahr der letzte Schritt an: der medizinische Check. Die amtsärztliche Untersuchung im Berliner Gesundheitsdienst entscheidet final über die Diensttauglichkeit und setzt den Schlusspunkt unter das gesamte Auswahlverfahren der Berufsfeuerwehr Berlin.
Nach einer detaillierten gesundheitlichen Selbstauskunft wurde ich komplett durchgecheckt: Sehtest, Hörtest in einer schallisolierten Kabine und ein umfassender Lungenfunktionstest. Da im Einsatz unter Atemschutz absolute Gesundheit Pflicht ist, wurde auch mein Brustkorb geröntgt, zudem wurden Blut- und Urinproben ausgewertet. Den Abschluss bildete das Belastungs-EKG auf dem Fahrrad-Ergometer, bei dem die Wattzahl kontinuierlich nach oben geschraubt wurde, bis der Puls raste. Als der Amtsarzt mir schließlich die uneingeschränkte Feuerwehrdiensttauglichkeit bescheinigte, war der Weg frei: Mein Abenteuer als Brandoberinspektoranwärter in Berlin konnte beginnen.
Sam, Brandoberinspektoranwärter in Berlin
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