Brandoberinspektor (Laufbahngruppe 2, 1. Einstiegsamt) in Hamburg: Erfahrungsbericht zum Auswahlverfahren
Vom Labor in die Hamburger Einsatzzentrale: Der 28-jährige Jonas suchte echte Verantwortung statt grauer Theorie. Nach dem Vorbereitungsdienst zum Brandoberinspektor berichtet er hier von seinem Auswahlverfahren.
Nach meinem Masterstudium im Bereich Sicherheitstechnik und Gefahrenabwehr in Magdeburg stand ich vor der klassischen Entscheidung: Gehe ich in die Industrie, berate Unternehmen im Brandschutz und sitze den Rest meines Lebens am Schreibtisch? Oder gehe ich dorthin, wo die Theorie auf die Praxis trifft? Für mich war schnell klar, dass ich eine echte Führungsaufgabe gesucht habe, bei der man Verantwortung für Menschen übernimmt und kein Tag dem anderen gleicht. Da ich während des Studiums bereits im Rettungsdienst gejobbt habe, zog es mich magisch zur Berufsfeuerwehr – und als gebürtiger Norddeutscher war Hamburg mein absolutes Traumziel.
Die formalen Voraussetzungen für die Ausbildung zum Brandoberinspektor bei der Hamburger Feuerwehr hatte ich im Vorfeld genau studiert. Mein technisches Studium passte perfekt, ich war 28 Jahre alt (das Limit liegt bei 35), hatte den Führerschein Klasse B und glücklicherweise gibt es in Hamburg keine Mindest- oder Maximalkörpergröße, was mir mit meinen 1,93 Metern sehr entgegenkam. Einzig das Deutsche Schwimmabzeichen in Silber musste ich vor der Bewerbung noch schnell im Hallenbad auffrischen. Nachdem die Unterlagen raus waren, begann das Warten – und dann die Einladung zum Auswahlverfahren der Berufsfeuerwehr Hamburg.
Das Assessment Center für die Führungsebene
Wer sich in Hamburg für den gehobenen Dienst (Brandoberinspektor) bewirbt, durchläuft ein sogenanntes Assessment Center. Hier testen die Prüfer auf Herz und Nieren, ob man das psychische Rüstzeug mitbringt, um später in stressigen Situationen Einsätze zu leiten.
Das Auswahlverfahren der Berufsfeuerwehr Hamburg startete mit einem Aufsatz. Wir bekamen ein aktuelles, gesellschaftspolitisches Thema vorgesetzt und mussten innerhalb einer knappen Stunde eine strukturierte, argumentativ schlüssige Abhandlung verfassen – unter extremem Zeitdruck ein echter Härtetest für den Kopf. Danach ging es in die Gruppendiskussion mit fünf anderen Bewerbern. Das Ziel: Gemeinsam eine Lösung für ein komplexes logistisches Problem finden. Die Prüfer beobachten dabei ganz genau, wer konstruktiv moderiert, wer untergeht und wer versucht, alle anderen zu übertönen. Am anstrengendsten fand ich jedoch das anschließende Rollenspiel. Ich musste ein simuliertes Mitarbeitergespräch führen, bei dem ein fiktiver Untergebener im Team massiv quergeschossen hatte. Da half mir mein ganzes Uni-Wissen über Strömungsmechanik oder Brandschutzverordnungen nichts – da zählten nur Empathie, klare Ansagen und absolute Professionalität.
Der Sporttest
Einige Wochen später ging es in die nächste Runde im Auswahlverfahren der Berufsfeuerwehr Hamburg: der Sporttest. Ich hatte mich im Vorfeld zwar gut vorbereitet, aber die Hamburger Hallendisziplinen haben es wirklich in sich.
Es ging los mit dem 3.000-Meter-Lauf auf der Außenbahn. Als regelmäßiger Läufer konnte ich hier gut im vorderen Mittelfeld mitgehen, aber das war erst das Warm-up. In der Halle wartete der Kasten-Bumerang-Test. Das ist ein Parcours aus Vorwärtsrolle, Überspringen und Unterkriechen von Kastenteilen, bei dem man durch die schnellen Richtungswechsel extrem leicht die Orientierung verliert. Direkt im Anschluss folgten Liegestütze und die Wechselsprünge über eine Bank auf Zeit. Ein absoluter Krafträuber war der CKCU-Test, bei dem man im Liegestützgriff ununterbrochen die Hände überkreuzen und den Handrücken der anderen Seite berühren muss – das geht brutal auf die Schultern. Nach dem Medizinballwurf folgte die letzte Station: der Beugehang.
Die Prüfer waren extrem penibel; jede unsaubere Ausführung wurde sofort abgebrochen oder nicht gezählt.
Die feuerwehrpraktische Tauglichkeit
Gleich nach dem Sporttest, als die Muskeln ohnehin schon brannten, folgte die Praxisprüfung im Auswahlverfahren der Berufsfeuerwehr Hamburg. Erste Station: Drehleitersteigen. Man wird eingegurtet und steigt eine komplett ausgefahrene Drehleiter hoch – ungesichert, nur durch das Seil der Prüfer gehalten. Wer hier oben nach unten schaut und weiche Knie bekommt, scheidet sofort aus. Für mich war der Ausblick über Hamburg in diesem Moment aber einfach nur der Beweis, dass ich genau hierher will. Direkt danach kam die Rettungsübung: Eine schwere, lebensgroße Dummy-Puppe musste über eine bestimmte Strecke im Rückwärtsgang geschleppt werden – eine Simulation der Menschenrettung im brennenden Gebäude. Spätestens hier war mein Puls auf dem absoluten Maximum.
Vorstellungsgespräch und ärztliche Untersuchung
Am Nachmittag stand, nach einer schnellen Dusche und dem Wechsel in den Anzug, das persönliche Vorstellungsgespräch an. Die Auswahlkommission saß mir gegenüber und bohrte tief: Fragen zu meiner Persönlichkeit, meinen Stärken und Schwächen, aber vor allem zu meiner Motivation. Ich habe versucht, verstellt wirkende Standard-Phrasen wegzulassen und einfach authentisch zu antworten – das kam an.
Der allerletzte Schritt im Auswahlverfahren der Berufsfeuerwehr Hamburg war dann der medizinische Check beim Personalärztlichen Dienst im darauffolgenden Monat. Weil man im Einsatzdienst unter Atemschutz absolut fehlerfrei funktionieren muss, wird man hier komplett auf den Kopf gestellt.
Als der erlösende Brief mit der uneingeschränkten Feuerwehrdiensttauglichkeit und der Zusage im Briefkasten lag, war die Freude riesig. Die intensive Vorbereitung hat sich in jeder Sekunde ausgezahlt und ich bin immer noch zufrieden mit meinem Job.
Jonas, Brandoberinspektor in Hamburg
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